Angst

Worte können so klar sie auch gesprochen oder geschrieben sein mögen für nicht gerade wenig Verwirrung sorgen. Ein ganzes Wochenende mit der Endausarbeitung eine Theaterstückes, dass sich mit dem Leben und Wirken des genialen und doch so schwer zu verstehenden Franz Kafkas beschäftig zu verbringen, lässt einen nachdenklich werden. Trotz des vielen Wahnsinns stößt man in Kafkas Geschichten so oft auf Fragen aus seinem eigenen Leben. “Menschen, was ist das nur für ein Volk? Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?´´ Habe ich mein Leben wirklich ausgenutzt? Habe ich das getan, was ich eigentlich tun wollte? Ist das was mir so wichtig schien wirklich wichtig oder verstecken ich mich nur? Was, wenn morgen alles vorbei wäre? Da wäre so viel was ich nicht gesagt hätte, so viele Gedanken, die ich meinen Mitmenschen gerne mitteilen würde und doch hindert mich etwas daran, ich weiß nicht, was es ist, oder bin ich es gar selbst? “ Menschen sind doch wirklich eine komische Spezies. Kann mir jemand sagen, warum wir so zögerlich sind und unser Glück nicht mit beiden Händen packen? Stattdessen meinen wir an unserem Unglück schon genug tragen zu müssen als dass wir unser Glück noch ertragen könnten.´´ Warum kann ich nicht einfach das sagen, was ich denke? Doch mein Mund bleibt verschlossen. Ich bin feige. Ich habe beschlossen, bei jedem großen Auseinandergehen den Personen, die ich nun zwar schon lange kennen und teilweise fast täglich sehe und doch nie wirklich mit ihnen ins Gespräch komme, diesen möchte ich Briefe schreiben. Ja Briefe, auch wenn es altmodisch klingt fühle ich mich dem Papier doch verbundener, als ich es dem Bildschirm je sein werde, denn ein Brief auf Papier geschrieben ist persönlicher, als jede E-Mail oder andere online Benachrichtigung es je sein könnte. Natürlich werde ich die Briefe erst verschicken, wenn ich die entsprechenden Personen für längere Zeit oder gar nie wieder sehen werde. Warum? Das weiß ich selbst nicht, etwas in mir hindert mich, ich kann es nicht beschreiben oder in Worte fassen, wahrscheinlich ist es einfach Angst. Angst einen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben. Angst, auf diese seltsamen Gedanken angesprochen zu werden. Aber ist es wirklich besser gar keinen Eindruck zu hinterlassen, als einen der die einem gegenübergestellte Person zum nachdenken bringt? Nur wenige kennen mich, wie ich wirklich bin. Trotz dass ich mit diesem Theaterkurs viel Zeit verbringe, konnte ich mich bisher nur einer Person teilweise öffnen, denn diese Person strahlt wie schon im vorigen Beitrag beschrieben ein eigenartiges Vertrauen aus, dem ich mich hingezogen fühle und wohl nie herausfinden werde, warum. Diese Person ist auch die einzige, der ich von meinen Plan mit den Briefen erzählt habe, denn ich bin mir sicher, diese Person ist eine der wenigen, die von alleine erkannte, dass ich so viel mehr zu erzählen habe, als ich den meisten Menschen zeige. Für diese unglaubliche Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis bewundere ich diese Person zutiefst und so gibt es eben noch mehr Personen die ich für Teile ihrer Persönlichkeit, die ich kenne bewundere. Und wenn ich es schon nicht schaffe es diesen Menschen live mitzuteilen, dann doch wenigstens schriftlich. Wie gerne würde ich jetzt gleich zu all diesen Leuten gehen und sagen: Hey ich find es Klasse, wie du einfach so frei raus deine Meinung sagst, denn weißt du eigentlich wäre ich in dieser Hinsicht so gerne wie du, woher nimmst du also deinen Mut? Glaube mir ich habe ihn auch aber ich kann ihn oft nicht finden, wenn ich ihn brauche. Oder hey ich habe noch nie jemanden getroffen, den ich so wenig kenne und dem ich mich trotzdem so öffnen kann, denn du vermittelst mir den Eindruck mich zu verstehen, auch wenn ich genau weiß, dass wir nie mehr miteinander zu tun haben werden, als wie bisher, also danke für alles, du weißt gar nicht, wie sehr du mir geholfen hast…

“Die dir zugemessen Zeit ist so kurz, dass du, wenn du eine Sekunde verlierst, schon dein ganzes Leben verloren hast. Denn es ist nicht länger, es ist immer nur so lange wie die Zeit, die du verlierst.´´ (alle bisher verwendeten Zitate stammen aus unserem aktuellen Stück Kafka: Die ungeheure Welt in meinem Kopf)

“Mir ist schwindelig, ich will aussteigen. Gedanken sind Arschgeigen, nur lauter vielleicht und noch weniger bereit, für einen Moment zu schweigen.´´ (Judith Holofernes: Ich muss früh raus)

©Julieenjoyslife

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