GESCHICHTE

Und wieder ist ein Stück Geschichte verloren gegangen, sagen die Menschen, wenn sie vom Tod einer berühmten Person hören. Aber Geschichte an sich kann gar nicht verloren gehen, denn immer mehr Menschen schreiben Dinge, die sie für wichtig erachten aus der Geschichte auf. Geschichte ohne jemanden, der sie erlebt ist nichts wert. Jeder Mensch nimmt die Dinge in seiner Umgebung anders wahr, je nachdem wie er es gelernt hat, oder wie es seine Stimmung zulässt. Schon von Kindesbeinen an lernt der Mensch verschiedene Sachen in seinen Gedanken mit Gefühlen, Farben oder Emotionen zu verbinden. Da diese Assoziationen von Generation zu Generation weiter gegeben werden, lernt man meist die ersten Zusammenhänge von den Eltern oder nahen Verwandten, wobei auch diese ihre Erfahrungen teilweise von ihren Eltern übernommen haben. Da es aber auf der Erde viele verschiedene Kulturen gibt, lernt jeder Mensch aus einer anderen Grundlage seine Verbindungen zu finden. Der Mensch selber wächst durch seine Erfahrungen, deshalb verändern sich auch die Einstellungen und Auffassungen verschiedener Dinge im Laufe eines Menschen und das ist gut so, denn jeder Mensch entwickelt so Denkvorgänge, die ihn von anderen unterscheiden. Nur durch diese Unterschiede im Denken kann der Mensch sich weiter entwickeln. Es sind nicht die Menschen, die nach dem bekannten Muster Denken, die in Forschung und Technik neue Ideen entwickeln und den Menschen als Ganzes weiter bringen, sondern die Menschen, die sich ihre eigenen Gedanken zu einem Thema machen, ihre Erfahrungen und Wünsche mit einbringen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Deshalb ist es auch schwer, Texte von berühmten Autoren, wie Goethe oder Schiller zu interpretieren, da auch dies Menschen, als sie ihre Werke schrieben, ihre ganz eigenen Denkvorgänge hatten. Autoren einer bestimmten von den Nachmenschen festgelegten Zeitepoche haben häufig ähnliche Denkansätze, da sie von der gleichen Umwelt, der gleichen Technik und von Menschen mit daraus folgenden ähnlichen Denkvorgängen beeinflusst wurden. Auch wenn wir heute versuchen, anhand des Lebenslaufes eines Autors oder der zur damaligen Zeit wichtigen geschichtlichen Ereignisse nachzuvollziehen, was seine Aussage war, so können wir sie doch nie mit Gewissheit bestimmen. Wer kann schon genau sagen, ob der Autor nun auf die Gesellschaft zu seiner Zeit anspielt, oder ob er die Dinge, die er in seinem Werk beschreibt auch offensichtlich gelebt hat, so dass man sie heute in seinem Lebenslauf nachschlagen kann, oder ob er sich mit vergangenen Ereignissen beschäftigt hat, die er selbst nur aus Geschichtsbüchern seiner Zeit kennt, die ebenfalls von jemandem geschrieben wurden. Um die komplette Aussage seines Werkes herauszufinden müsste man also den Autor selbst nach einer heute verständlichen Inhaltsangabe fragen, was bei den großen Dichtern und Denkern zumeist schwierig wird, da sie häufig nicht mehr unter uns weilen. Bis dahin können wir nur raten und unser Bestes versuchen, wobei wir nie wissen, ob unsere Interpretation wirklich stimmt, denn selbst wenn tausende Menschen vor uns zum gleichen Ergebnis gekommen sind, weiß doch nur der Autor selbst die richtige Antwort. Es ist eben alles Interpretationssache. Auch kein Geschichtsbuch wird je die blanke Geschichte wiedergeben können, da diese als Rohbaustein nicht existiert. Geschichte wird von Menschen geprägt und von solchen aufgeschrieben. Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen und Emotionen in seinen Text hinein, ob er will oder nicht und deshalb kann die Geschichte auf unterschiedlichste Weise dargestellt werden. Ein Mensch kann sich in seinem Tagebucheintrag größer darstellen, als er eigentlich ist, er kann Kriege zu seinem Vorteil oder nach seiner Einschätzung dokumentieren, das besagt aber noch lange nicht, das sich alles so zugetragen hat. Am bewundernswertesten sind jene Autoren, die es verstehen, ihre persönlichen Gedanken und Gefühle so in ihr Werk einzubauen und zu verstecken, als dass der Nachmensch sie nie herausfiltern kann und die beschriebenen Ereignisse als wahre Begebenheiten aufnimmt. Diese Menschen sind etwas Besonderes, denn sie haben unser Vertrauen gewonnen und schrieben somit, wahrscheinlich ohne es zu wissen die Vergangenheit, wie wir sie heute kennen.

©Julieenjoyslife

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4 Gedanken zu “GESCHICHTE

  1. Wie wahr. 🙂 Geschichte kann niemals verloren gehen. Das ist das Besondere daran. Leider vergessen viele Menschen, dass Geschichte nicht nur dazu da ist, dass sich Menschen an vergangenen Zeiten erfreuen können sondern, dass sie aus der Vergangenheit lernen sollen.

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