Das Theater und ich (Teil 3)

Das nächste Mal stand mit neun auf der Bühne, auf der gleichen auf der ich schon zwei Jahre zuvor stand, auch im Stück die kleine Hexe hatte ich nur Nebenrollen und doch erinnere ich mich in diesem Zusammenhang erste Extraübungen zur Mimik und Gestik gemacht zu haben. Man hatte uns Kinder in einem Stuhlkreis zusammen gerufen und ließ und gemeinsam traurige, verzweifelte, aber auch fröhliche Gesichter üben für eine Szene, in der wir um einen Schneemann tanzten, welchen böse Jungs uns zerstörten. Als die kleine Hexe uns aber so traurig sah, hatte sie Mitleid mit uns und zauberte unseren Schneemann nicht nur wieder heil, sondern auch lebendig, so dass dieser dann mit seinem Besen den bösen Jungs hinterher ging. Das also war die einprägsamste Szene aus meinem zweiten Stück auf der Bühne, das dritte Mal durfte ich dann mit zehn da oben stehen. Auch in Astrid Lindgrens Michel aus Lönneberga spielte ich Komparsenrollen, aber das war unwichtig. Ich fühlte mich damals großartig auf der Bühne, ich blühte auf in den wenigen, meist stummen Einsetzen, die ich hatte, denn ich wurde bewundert. War unsere Rolle auch noch so klein, durften wir doch im Anschluss an die Vorführung alle Autogramme geben. Viele meiner Freunde und Bekannte wussten nichts von meinem Bühnenleben und entdeckten mich somit erst während der Aufführung auf der Bühne, viele vor allem Gleichaltrige und jüngere baten auch mich um ein Autogramm, es war ein gutes Gefühl, ich fühlte mich besonders, ich fühlte mich begehrt, ich fühlte mich einzigartig. Doch auch dieses Gefühl und das Selbstvertrauen, dass mir das Theater gab verlor ich für lange Zeit aus den Augen.

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©Julieenjoyslife

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8 thoughts on “Das Theater und ich (Teil 3)

  1. Das Gefühl, auf der Bühne zu stehen, kenne ich auch. Eine der schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen. Und die erste Begegnung mit Anerkennung. Ich kann das gut nachvollziehen. Schön geschrieben. 🙂

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