Die Zugfahrt (an M.)

Wir werden uns wiedersehen, dachte sie. Doch schon im selben Moment, da der Zug den Bahnhof verließ und sich leise ratternd in Bewegung setzte, musste sie sich eingestehen wie wenig Glaubwürdigkeit sie ihren eigenen Worten doch zutraute, ihr Blick schweifte über den Boden. Sie hatten sich gerade erst kennengelernt und es war bei weitem nicht so, als dass sie sich während dieser kurzen Zeit irgendwie nahe gestanden hätten, ganz im Gegenteil. Fast eine ganze Woche waren sie im Strom der Masse für dem jeweils anderen unentdeckt geblieben. Natürlich hatte man sich zuvor schon gesehen, kein Zweifel, doch die Weite der Bühne war schier unendlich und die Wahl der Statisten viel zu groß, als das man sich außerhalb des zufälligen Wahrscheinlichkeitsgebietes hätte bemerken können. Den letzten Tag aber, an dem sie es endlich schafften den vorher so starr scheinenden Gruppen Konstellationen zu entkommen und sich außerhalb des Gedränges ganz unverhofft wieder zu finden, stellten sie fest, was sie während dieser ganzen Zeit vermisst und gesucht hatten ganz ohne es zu realisieren und doch erst jetzt, fast schon zu spät dem Anschein nach gefunden hatten.

©Julieenjoyslife

Advertisements

Über Rückmeldungen und Kritik freue ich mich sehr, also lass deinen Gedanken freien Lauf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s