Der Absturz

Mit angezogenen Knien saß er auf dem Platz, den er vor knapp anderthalb Stunden eingenommen und seitdem noch keinen Grund gesehen hatte ihn wieder zu verlassen, wozu auch, wo hätte er schon hingehen sollen? Angestrengt beobachtete er die Leute, die um ihn herum wild durcheinander schreiend den Flur auf und ab liefen, alle möglichen Dinge umher warfen, fluchten oder weinten. Schon oft, vielleicht gar zu oft war er gefallen, doch diesmal war es anders, diesmal würde er nicht einfach wieder aufstehen können, wie all die anderen Male einfach von vorne anfangen, denn diesmal war es anders. Welch Ironie, da stürzte er ein einziges Mal ganz ohne Eigenverschulden und gerade das sollte ihm sprichwörtlich den Hals brechen? Hätte er doch nur gehört und nicht immer seinen eigenen Kopf durchsetzen wollen würden sie sagen, wenn sie erführen in was er da geraten war. Bedauern würden sie ihn, wie sehr er doch gelitten habe und was er noch alles vor sich gehabt hätte doch zu seinem eigenen Erstaunen litt er selbst am aller wenigsten wie ihm schien, ganz im Gegensatz zu all den Menschen um ihn herum, die mit der Fügung ihres Schicksals gerade deutlich schlechter zurecht kamen. Neben ihm saß eine von Tränen überströmte, leise schluchzende Frau, die ein fröhlich quickendes etwa anderthalb Jahre altes Kleinkind fest im Arm hielt. Das Kind, welches unbehelligt der es umgebenden Situation sein unwissend lebensfrohes Lächeln beibehielt hatte eines seiner kleinen, kurzen Ärmchen dem festen und doch so viel Liebe und Zärtlichkeit ausströmenden Griff der Mutter entwendet und streckte es ihm voll neugieriger Erregung entgegen. Er konnte ihm nicht helfen, doch der Anblick dieses hilflosen, der Unwissenheit halber vor Freude nur so strotzenden Kleinkindes begann auch ihm die Tränen in die Augen zu drücken ohne das er es wollte, nicht das er etwas gegen das Ausleben von Emotionen gehabt hätte und doch passte es nicht zu ihm, war er doch bislang immer für seine auch in den auswegslos erscheinensten Situationen diplomatisch ruhig bleibende Art bekannt gewesen. Und so tat er das einzige von dem er wusste, das er es wirklich konnte. Als Redakteur einer kleinen Lokalzeitung hatte er es nie zu großem Ruhm gebracht, vielleicht, wenn er pflichtbewusster, ordentlicher oder auch kreativer gewesen wäre, vielleicht hätte er es dann weiter schaffen können, doch es war ihm nie wichtig gewesen, denn er liebte das freie, einfache Leben ohne den Druck des Großen. Was er nicht wusste war, dass das was er jetzt schrieb zwar nicht sein Leben verändern würde, ihn aber zu eben beschriebener weltweiter Bekanntheit bringen würde, die er eigentlich nie gewollt hatte und dennoch wirklich verdiente. Denn seine Mail, so kurz sie auch gewesen sein mag, die er an die ihm für den Moment vertrauenswürdigste erscheinende Person, seinen besten Freund den er zwar in letzter Zeit nicht mehr allzu oft gesehen hatte, jedoch seit dem Kindergarten kannte schickte, erschien schon am nächste Morgen in sämtlichen großen Zeitungen.
An das in diesem Moment neben mir sitzende Kind, es tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich nicht einer dieser über fürsorglichen Menschen bin. Es wäre mir ein leichtes gewesen meinem Handgepäck einen Fallschirm beizulegen, ich tat es nicht, denn ich hatte Vertrauen. Doch der Mensch hat versagt, wie er es oft tut und sich doch nie eingestehen will, denn die Technik des Menschen ist nur so gut, wie der Mensch selbst und das menschlichste am Menschen ist die Fehlbarkeit, die uns immer wieder daran erinnert, wie klein und unerfahren wir doch sind. Ich hätte dir meinen Fallschirm geben können, denn ich hatte meinen Versuch dieser Welt eine Chance zu geben, dir aber wird sie für immer verwehrt bleiben. Liebes Kind, es sollte wirklich viel mehr Menschen geben, die wie du die Unbeschwertheit und Kraft besitzen, bis zum Schluss zu lächeln, denn was man auch sagen mag, das Leben ist schön. Ich bin mir sicher, wir werden uns wieder sehen, in einer vielleicht fröhlicheren und freundlicheren Welt.
Er drückte den senden Button und gab dem ihn immer noch mit erwartungsvoll strahlenden Augen ansehenden Kind zum Abschied die Hand, dann schloss er die Augen, denn so sehr er es auch bisher hatte zu leugnen versucht, er hatte Angst, unbeschreibliche Angst, doch die kleine, warme Hand des Kindes, das versuchte an seinem Zeigefinger zu ziehen, beruhigte ihn auf ganz unerklärliche Weise. Noch einmal atmete er tief und zufrieden ein und ein letzter quieckender Freudenschrei des Kindes durchfuhr seinen Körper wie eine warme Welle, ehe das Flugzeug den Boden berührte. Den Aufprall selbst bekam er kaum noch mit, denn er hatte sich in Gedanken schon von allen anderen verabschiedet, die Hand des Kindes ließ er bis zum Schluss nicht los. Er wusste, sie würden sich irgendwo wieder sehen, denn von diesem Kind konnte er noch viel lernen.

©Julieenjoyslife

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2 thoughts on “Der Absturz

  1. Hi! Inhaltlich mag ich deine Geschichte. Schwierig zu lesen ist sie aber dennoch. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen an der Formatierung. Absätze würden mir beim Lesen helfen. Zum anderen an den oftmals zu langen Sätzen. Lange Sätze versuche ich meist zu vermeiden. Klar, die deutsche Sprache kann das, aber man selbst muss sie halt auch so bilden können, dass sie gut werden. Da du auch einige Zeichenfehler (und Rechtschreibfehler, z.B. meinst du wahrscheinlich nicht quickendes, sondern quiekendes Kind) machst, ist es oft noch schwerer, den langen Sätzen zu folgen.
    (Ich hoffe, die Rückmeldung war nun nicht zu kritisch …)
    Lieber Gruß!

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    • Nein ganz im Gegenteil hilfreiche Kritik ist immer gut. Vielen Dank. Absätze konnte ich noch nicht einfügen, da ich das ganze am Handy schrieb und das könnte auch die etwas verdrehte Zeichensetzung und Rechtschreibfehler erklären, die Automatische Verbesserung hat da so ganz eigene Ideen zu. 🙂

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Über Rückmeldungen und Kritik freue ich mich sehr, also lass deinen Gedanken freien Lauf.

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